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Kann der Morbus Alzheimer aus Speichelproben diagnostiziert werden ?



Biomarker helfen bei der Diagnostik und Bewertung von Therapien. Sie können im Blut, Nervenwasser (Liquor), Urin oder Speichel relativ einfach gemessen werden. Die heute verfügbaren Omics-Methoden (Genomics, RNomics, Proteomics und Metabolomics) ermöglichen die rasche Erfassung von Tausenden von Markern auch in kleinen Volumina. Speichel ist leicht verfügbar und bietet sich daher für eine Frühdiagnostik neurodegenerativer Erkrankungen an. Im heutigen Blog-Beitrag möchte ich eine Übersichtsarbeit von Christine Zürcher und Christian Humpel aus Innsbruck vorstellen, die im Dezember 2023 erschienen ist.

 

Zwischen dem Speichel und dem menschlichen Gehirn können über die Mund-Hirn-Achse verschiedenste Substanzen ausgetauscht werden: über die Hirnnerven oder im Luftweg über die Nase, aber auch über den lymphatischen Weg oder den peripheren Blutkreislauf. Es ist schon länger bekannt, dass der Speichel nicht nur für die Erkennung von oralen und systemischen Erkrankungen, sondern auch für Hirnerkrankungen nützlich sein kann, insbesondere durch den Nachweis von Antikörpern und Entzündungsproteinen (Matrix-Metalloproteinasen, Interleukine oder auch Tumornekrosefaktor TNF). Erhöhte Werte von Alpha-2-Makroglobulin im Speichel weisen beispielsweise auf die glykämische Situation bei Diabetes mellitus Typ 2 hin.

 

Die Alzheimer-Krankheit ist gekennzeichnet durch Aβ-Ablagerungen (extrazelluläre Plaques) und die  Tau-Pathologie (hyperphosphoryliertes Tau verursacht neurofibrilläre Knäuel). Wie in meinem Buch über Neurodegeneration besprochen, wird an einer Labordiagnose mithilfe von Liquor geforscht, da sich über die Bestimmung von Aβ-42 und -40, Gesamt-Tau und Phospho-Tau-181 Alzheimer-Patienten mit hoher Spezifität und Sensitivität von gesunden Personen unterscheiden lassen. Leider sind diesen Biomarkern durch die invasiven Maßnahmen zur Gewinnung von Nervenwasser Grenzen gesetzt. Daher werden die leichter zu erreichenden menschlichen Flüssigkeiten wie Blut, Urin oder Speichel derzeit intensiv untersucht.

 

Schon 2008 wurde ein einfacher Labortest für Alzheimer durch Messung der Acetylcholinesterase im Speichel vorgestellt und neuere Studien legen nahe, dass auch Aβ42 ein potenzieller Biomarker sein könnte. Daneben lassen sich Gesamt-Tau und Phospho-Tau-181 im Speichel heute zuverlässig bestimmen. Menschlicher Speichel kann also nicht nur die Diagnose von Mundkrankheiten, Krebs oder Diabetes unterstützen, sondern auch zur Erkennung neurodegenerativer Erkrankungen beitragen. Das Spucken direkt in ein Röhrchen scheint die optimale Methode der Gewinnung zu sein und erlaubt eine Diagnostik innerhalb weniger Stunden. Als Alternative zur invasiven Entnahme nach Lumbal- oder Venenpunktion muss das Verfahren zum Sammeln und zur Analyse des Speichels allerdings noch validiert werden. Die gemessenen Werte weisen häufig eine hohe Variabilität auf, da die Speichelzusammensetzung auch von exogenen Faktoren beeinflusst wird.

 

Referenz:

 

Zürcher C, Humpel C (2023) Saliva: a challenging human fluid to diagnose brain disorders with a focus on Alzheimer's disease. Neural Regen Res 18:2606

 

Bildnachweis: iStock/burco onter

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